In der aktuellen Februar-Ausgabe des Caritas aktiv, der Info-Zeitung der PfarrCaritas Wien, die alle zwei Monate an die Pfarren und Gemeindemitglieder ergeht, befindet sich auch dieser Artikel von Roswitha Feige über unsere Reise nach Bihać, mit einem Einblick in die Situation vor Ort.
Das Projekt Habibi wurde im Sommer 2015 von unserer Mitgliedspfarre Franz von Sales gegründet. Es bietet Wohn-, Lern-, Buddy-, Job- und Integrationsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen an. Wöchentlich werden Deutschkurse (Dienstag, 10:00-12:00, Freitag, 14:00-16:00), Kleiderausgabe (Dienstag, 8:00-9:30, Freitag, 15:00-16:30) und Sozialberatung (Mittwoch, 10:00-12:00) angeboten.
Heike Schiebeck und Arye Wachsmuth haben in den Ausgaben 1 und 3/2019 der Zeitschrift asyl aktuell der Asylkoordination Österreich interessante und lesenswerte Artikel über die Situation von Menschen auf der Flucht an der EU-Außengrenze mit Fokus auf Bosnien und Herzegowina geschrieben.
Heike Schiebecks Artikel „Vor den verriegelten Toren der Festung Europa“ (PDF, 209 KB) beschreibt gewaltvolle Umgebung und schlechte Situation der geflüchteten Menschen mit besonderem Fokus auf Bihać und Velika Kladuša. Der Artikel hat leider Nichts an Aktualität verloren.
„Bald Mittelmeer am Boden?“ (PDF, 312 KB) von Arye Wachsmuth ist eine Beschreibung der wichtigen Tätigkeit des Team Vučjaks rund um Dirk Planert im vergangenen Jahr bis zur Auflösung des Skandallagers in Vučjak in Bosnien und Herzegowina. Die wichtige Arbeit des Team Vučjaks endete nicht mit der Auflösung des Camps, weiterhin wird Hilfe für geflüchtete Menschen vor Ort geleistet und Unterstützung benötigt.
Von 27. bis 30. Dezember 2019 besuchten wir bei einer interreligiösen Reise die Stadt Bihać in Bosnien und Herzegowina, um uns ein Bild von der Situation der Geflüchteten an der EU-Außengrenze zu machen. In der aktuellen Ausgabe des „Sonntags“ findet sich auch ein Artikel von Roswitha Feige aus unserem Leitungsteam darüber.
Artikel im Sonntag (Ausgabe 19. Jänner 2020) über unsere Reise nach Bihać
Wir möchten ein paar Fotos von unserer Reise nach Bihác mit euch teilen.
Besichtigung der Räumlichkeiten in der Familienunterkunft SedraIm Sozialzentrum von BihaćGruppenfoto vor dem Sozialzentrum in BihaćEine Botschaft in der Flüchtlingsunterkunft BiraGruppenfoto in der Flüchtlingsunterkunft BiraEine Collage in der Flüchtlingsunterkunft SedraAm Eingang zur Un terkunft in Bira
Von 27. bis 30. Dezember 2019 veranstaltete das Pfarrnetzwerk Asyls gemeinsam mit dem Österreich-bosnisch-herzegowinischen Kulturverein – Frauenforum „Mimosen“ eine interreligiöse Reise nach Bihać in Bosnien und Herzegowina. Unser Ziel war es, die Situation für geflüchtete Menschen vor Ort an der EU-Außengrenze zu verstehen, um in Zukunft schwerpunktmäßig Hilfe zu leisten und in Wien in der Bewusstseinsbildung aktiv zu sein.
Gruppenfoto vor dem Sozialzentrum der Stadt Bihać
Wir konnten uns auf der Reise in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat der Stadt Bihać und den NGOs Save the Children, sowie Žene sa Une(Frauen aus Una) ein Bild von der schwierigen Situation der geflüchteten Menschen vor Ort machen. Harte Winter-Bedingungen und unzureichend zur Verfügung gestellte finanzielle Mittel führen zu beschämenden Verhältnissen für Menschen auf dem Weg nach Europa.
Katastrophal ist die Situation der vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, da sie als eine vulnerable Gruppe besonders unter Gewalt und Ausbeutung leiden. Mangelnden finanzielle Ressourcen sind der Grund für die dramatische Situation der Kinder und Jugendlichen in Bihać, wie David Neuber vom Leitungsteam des Pfarrnetzwerk Asyls feststellt. „Wir fordern die internationale Gemeinschaft auf, nicht die Augen zu verschließen und eine humanitäre Lösung im Besonderen für die vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, sowie Familien mit Kindern und jungen Menschen zu finden!“
Beeindruckend war für die Reisegruppe der hohe persönliche Einsatz vieler handelnder Akteurinnen und Akteure vor Ort, die unter schwierigsten Rahmenbedingungen Lösungen für die Verbesserung der Situation der geflüchteten Menschen suchen. Roswitha Feige vom Leitungsteam unterstreicht die ermutigenden Eindrücke: „Unterschiedliche bosnisch-herzegowinische Organisationen vor Ort versuchen ein Freizeitprogramm sowie den Schulbesuch für geflüchtete Kinder und Jugendliche zu ermöglichen und so einen Beitrag zur Integration der Menschen in Bihać zu fördern. Es sind diese kleinen aber wichtigen Maßnahmen, die für eine stabile Gesellschaft dringend notwendig sind.“
Gemeinsam wollen wir mit dieser Reise kurz nach Weihnachten auch ein Zeichen der interreligiösen Zusammenarbeit setzen: Für eine gesellschaftliche und politische Praxis, welche die Menschenrechte und die Würde von geflüchteten Menschen an der EU-Außengrenze achtet, sowie die Menschen in Bihać unterstützt.
Collage eines Kindes aus der Flüchtlingsunterkunft Sedra.
Diese gemeinsame Absicht konnten wir mit der Übergabe von € 1.300.- für die Verbesserung der Situation von Mädchen und jungen Frauen in der Flüchtlingsunterkunft „Sedra“ unterstreichen. Azra Merdžan, Obfrau des Frauenforums „Mimosen“, bringt die prekäre Situation auf den Punkt: „Mädchen und junge Frauen sind eine äußerst verwundbare Gruppe von Menschen auf der Flucht, die Schutz und unsere Aufmerksamkeit benötigt, da sie im Besonderen von vielen Formen von Gewalt und sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Unser Beitrag wird für die Schaffung eines geschützten Raums für Mädchen und junge Frauen in dieser Flüchtlingsunterkunft verwendet!“
Wir bedanken uns beim Frauenforum „Mimosen“, die diese Reise vor Ort ermöglicht haben und bei allen Spenderinnen und Spendern, die uns in der Vorweihnachtszeit bei unterschiedlichen Veranstaltungen und Gelegenheiten großzügig unterstützt haben.
Das Pfarrnetzwerk Asyl ist ein Netzwerk von katholischen und evangelischen Pfarren mit dem Ziel, Austausch und gegenseitige Unterstützung für das Thema „Flucht und Asyl“ zu schaffen und Bewusstseinsbildung in diesem Bereich zu leisten. Es gestaltet spirituelle Impulse wie z.B. die Gebetsreihe „Wo ist dein Bruder?“ oder ein Requiem für Opfer an der EU-Außengrenze und konkrete Aktivitäten wie z.B. eine Mahnwache in der Fastenzeit.
Das „Pfarrnetzwerk Asyl“ kann keine Einzelfallhilfe geben, und ist kein Netzwerk für Kirchenasyl.
Hier finden Sie alle Unterlagen für den Flüchtlings-Adventkalender, den wir Ihnen für die Pfarre, für Ihre Schulklasse, für Ihre Familie zur Verfügung stellen.
Rund 250 Personen aus 13 evangelische und katholische Pfarren unseres Pfarrnetzwerk Asyl demonstrierten und gedachten mit einer Mahnwache in der Fastenzeit 2019 am Platz der Menschenrechte in Wien für gesellschaftliche und politische Praxis, welche die Menschenrechte und die Würde von geflüchteten Menschen achtet. Dabei setzten vorbereitete Transparente bei der Mahnwache das Leid der Geflüchteten auf verschiedene Weise mit der biblischen Botschaft in Verbindung, darunter auch durch drei Kreuzwegstationen, die Szenen der Passion Christi in die Gegenwart übersetzten.
In der Fastenzeit wird in den Kirchen des „Pfarrnetzwerk Asyl“ zu den Gottesdienstzeiten eine Kerze brennen, folgender Text wird dabei stehen:
„Diese Kerze wurde von Geflüchteten gestaltet. Sie brennt, um uns an die vielfältigen Leidenswege flüchtender Menschen zu erinnern. Wir wollen für diese Menschen beten.“